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Die kleinen Jugendstil-Villen in Milano Marittima

Die kleinen Jugendstil-Villen in Milano Marittima

Die ersten in Milano Marittima errichteten Gebäude waren traumhafte kleine Villen im Jugendstil − im Grün des Pinienwaldes eingebettet und vor der blauen Kulisse des Meeres − für die mittlere und gehobene Bourgeoisie aus der Industrieregion Lombardei.

Villas unter den Pinien

Die Geschichte von Milano Marittima beginnt im Jahre 1907, als Cervia immer noch ein kleiner Fischerort und ein Salinenfeld war, der aber schon den Tourismus im Visier hatte.

Die Idee, auf der die Vorstellung des Architekten Palanti basierte, als er mit in die Errichtung seiner „Gartenstadt“ einbezogen wurde, war jene einer für den mailändischen mittleren bis gehobenen Bürgerstand entworfenen Ferienansiedlung. Die Verwirklichung jenes Traums begann im Jahr 1911 mit der Gründung der Gesellschaft namens „Milano Marittima“, die es zum Ziel hatte, die Strände Cervias aufzuwerten.

Ferienhäuser am StrandDas ursprüngliche Projekt lehnte sich an das Milanino-Muster an, eine bereits 1908 realisierte Gartenstadt in Mailand, und sah einen Park in ihrer Mitte vor, von dem verschiedene, strahlenförmig ausgerichtete Alleen fortgingen, von denen Weitere Richtung Meer hätten ausgehen sollen.

Der Bauleitplan des neuen Städtchens wurde nach dem Leitmotiv entworfen, Harmonie zwischen Architektur und Natur zu schaffen: Der Pinienwald wäre zum natürlichen Garten der kleinen Villen geworden, die in der Nähe des Strandes errichtet werden sollten, und somit auf natürliche Weise Bestandteil der Landschaft geworden wären. Dazu gehörte auch Palantis eigene Villa, die heute noch in Via 2 Giugno/Ecke Via Toti zu bewundern ist.

Die offizielle Gründung der Stadt geht auf den 14. August 1912 zurück, als die ersten kleinen Villen, darunter diejenigen von Palanti und von dem Vorsitzenden der Gesellschaft Tempini, errichtet wurden. Die Bauarbeiten wurden wegen des ersten Weltkrieges eingestellt, doch in den 20er Jahren wieder aufgenommen.

Nach dem Ende des ersten Weltkrieges kam im Jahr 1927 zu der von Palanti gegründeten Gesellschaft die Baugenossenschaft CIVAM − kurz für Cooperativa Italiana Villini Alloggi al Mare e al Monte − hinzu, die zum weiteren Ausbau von Milano Marittima und zur Errichtung weiterer kleiner Villen beitrug, von denen aber mehrere niedergerissen wurden, um moderne Mehrfamilienhäuser und Hotels zu bauen.
Heute wie damals wird Milano Marittima als ein bedeutender Ferienort an der romagnolischen Riviera betrachtet, denn er zieht alljährlich zahlreiche Besucher aus ganz Europa an.

Die Villini heute

Einige der noch erhaltenen kleinen Villen, sog. Villini, dienen heute als Hotels oder Privatwohnungen, und deswegen sind sie nicht zu besuchen; allerdings kann der Neogotik- und Jugendstil bewundert werden, der sie prägt. Eine Ausnahme stellt Villa Carlotta (1926) in Milano Marittima dar, die zur Eisdiele „Ottocento“ verwandelt wurde: Bis auf einige leichte Änderungen bewahrt sie die Originalinneneinteilung .

Obwohl viele Villen der Erinnerung angehören, sind Folgende noch zu bewundern:

  • Villa Malagola (1925), bei dem Rondell Don Minzoni: Sie zeichnet sich durch ihren kleinen Turm im Jugendstil aus

  • Villa Capanna o Capannina, an der Ecke zwischen den Alleen V. Veneto und Viale Carducci, niedriger als allgemein üblich und mit einem eigenartigen Dach in der Form eines umgekippten V

  • Villa Maiolatesi, ursprünglich mit einem kleinen, mit Fresken geschmückten Turm, und Villa Colmegna: Beide liegen in der Nähe des Lokals la Pousada

  • Villa „Il Pagliaio“ an der Via F. Petrarca, die noch den ursprünglichen Grundriss bewahrt hat

  • Villa Perelli, die sich von den anderen durch ihren rationalistischen Stil und den hohen, von fünf Säulen gestützten runden Turm unterscheidet, der einen Ausblick auf das Meer und den umliegenden Pinienwald schenkt

  • Villa Palanti, eine der sieben vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges errichtete Villa und die einzige, die heute noch ihren ursprünglichen Grundriss bewahrt hat

Abschließend ein Wort zu einer interessanten Spur, die von der Vergangenheit der ehemaligen Villa Egle zeugt. An ihrer Stelle liegt heute das Hotel Luxor, doch auf beiden Säulen des Eingangstores am Anfang der Allee Viale Cadorna ist noch die ursprüngliche Inschrift zu lesen.

In Erinnerungen gespeicherte Villini

Neben den oben genannten Villen gibt es weitere elf, zwischen 1912 und 1939 errichtete Villen, von denen dank Bibliotheken, Bauleitplänen und historischer Archive Bilder und Informationen ausfindig gemacht werden konnten, und zwar 

  • Villa La Buscarola befand sich in unmittelbarer Nähe des gegenwärtigen Rondells Rotonda Don Minzoni; an ihrer Stelle liegt heute das Mehrfamilienhaus Faraone

  • Ville Bianchi: Beide Villen, ursprünglich zunächst rot und später hellblau gestrichen, wiesen eine von vier weißen Säulen gestützte Vorhalle auf; an ihrer Stelle, in der Allee Viale Due Giugno, liegt heute das Hotel Flora

  • Villa Lombardozzi: Die 1929 von der gleichnamigen Familie erworbene Villa. An ihrer Stelle steht heute das Hotel Alexander

  • Villino Facheris die 1914 von dem Senator G. Facheris errichtete kleine Villa wurde dann von G. Gavazzi erworben. Sie lag an der Kreuzung der gegenwärtigen Alleen Viali Cadorna, Due Giugno und Toti, wo heute das Hotel Globus und ein Mehrfamilienhochhaus emporragen

  • Villa Duna war die von dem Strand am weitesten entfernte Villa; ursprünglich wurde sie „Villino azzurro“ und später Villa Duna genannt, da sie auf einer hohen Düne errichtet worden war. An ihrer Stelle liegen heute Reihenhäuser

  • Villa Valzania lag an der Allee Viale Milano und wurde in das Hotel Eden verwandelt; nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Hotel für mehrere Jahre der Verwahrlosung überlassen und heute gibt es davon keine Spur mehr 

  • Villa Bernè lag anstelle des Familienhochhauses Romagna an der Viale Romagna

  • Villini Frutti di Mare (Granchio, Medusa, Cavalluccio Marino) waren eine Gruppe von in den 30er Jahren errichteten kleinen Villen 

 

Nachfolgend wurden die zehn Bautypen der für den Entwurf der Gartenstadt, sog. Città Giardino, zusammengefasst:

 

Progetto villini Milano Marittima

 

Quellen: Kalender 2020 Romagna Antica, Un itinerario alla scoperta delle ville storiche di Milano Marittima [Eine Tour zur Entdeckung der historischen Villen von Milano Marittima]

Doktorarbeit von Thomas Melai, La nascita di Milano Marittima. L’insediamento residenziale, i villini [Die Entstehung von Milano Marittima. Die Wohnansiedlung, die Villini]

 

 

 

 

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Touristische Infos

www.turismo.comunecervia.it - #VisitCervia - iatcervia@cerviaturismo.it - +39 0544 974400